Almagro

Theaterstadt

In Almagro gab es schon immer eine Theatertradition, weil sie die Hauptstadt des Ordens de Calatrava war. Im XVI. bis XVII. Jh. war sie ein bedeutendes künstlerisches und kulturelles Zentrum, was das Vorhandensein der Universität bezeugt, die vom Schlüsselmeister des Ordens, Fernando Fernández de Córdoba, errichtet wurde.

Die Entwicklung des Theaters in Almagro beginnt im Goldenen Zeitalter und wirkt noch heute weiter. Dies kann man bei einem Besuch des Corral de Comedias (Komödienhaus) feststellen, das gut erhalten und ausgestattet ist, das seine Aufführungen an den Wochenenden mit Werken klassischer Autoren aufrechterhält und in dem man auβerdem das Internationale Festival des klassischen Theaters im Monat Juli durchführt, bei dem jeden Tag zahlreiche Werke bekannter Gesellschaften (bis zu 20 verschiedene Aufführungen fanden während der XXX. Ausgabe des Festivals statt)  aufgeführt werden. Dann gibt es noch das Teatro Municipal (Gemeindetheater), das Ende des XIX. Jh. mit der Absicht erbaut wurde, den Jugendlichen kulturelle Möglichkeiten anzubieten und die bestehende Theatertradition dieser Stadt aufrechtzuerhalten. In diesem Teatro Municipal (Gemeindetheater) werden heutzutage, und wurden auch früher, auβer Theateraufführungen aller Art (im November wird hier ein Internationales Festival des Zeitgenössischen Theaters ausgetragen), auch andere Vorstellungen, wie Opern, Zarzuela, Tänze, Filmvorführungen und Musikkonzerte angeboten.
Schlieβlich gibt es in Almagro noch ein Nationales Theatermuseum, in dem man einen Einblick über die Geschichte des Theaters erhalten kann: Orte der Aufführungen, Veranstaltungen, Autoren, Akteure, Techniker. Besonders sehenswert ist seine Sammlung an Entwurfsmodellen und Kostümen sowie die Kleidersammlung….

Panorámica del Corral de ComediasMan beginnt mit dem griechischen und dem römischen Theater des IV. Jh.v.Chr. bis zum VI. Jh. n. Chr., das sich im Prinzip auf die zwei groβen Dramatikrichtungen stützt: die Tragödie (Aischylos, Sophokles und Euripides) und die Komödie (Aristophanes und Menandros). In Spanien heben sich die Beispiele von Mérida (seit 1933, wird für die Aufführung verwendet und stammt ursprünglich aus einem der bekanntesten Theaterfestivals Spaniens), Sagunto, Itálica und Segóbriga besonders hervor.

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches verliert sich diese klassische Kultur  und im Theater des Mittelalters dreht sich alles nur noch um zwei religiöse Feierlichkeiten: die Weihnacht und Ostern. Nach Beendigung der religiösen Zeremonien wurden für gewöhnlich einige Szenen des Lebens Jesus Christus neben dem Altar aufgeführt. Nach und nach schlichen sich in diese Szenen weltliche Elemente ein, die der Religion fern waren und wurden schlieβlich zu wahrhaften Theateraufführungen, die im Innenbereich der Kirchen aufgeführt wurden. Schlieβlich überwiegen die weltlichen Elemente die religiösen und das Theater wird zu einem Spektakel des Volkes und wird auf öffentlichen Plätzen aufgeführt. La Festa oder Misteri d’Elx ist eins der Hauptstücke des europäischen religiösen Theaters des Mittelalters, das jedes Jahr am 14. und 15. August im Inneren der Basílica de Santa María der Stadt Elche aufgeführt wird. Die Aufführung lehnt sich an mehrere Texte des apogryphen Evangeliums der Jungfrau Maria an, Die im Mittelalter sehr populär waren, und beschreibt den Tod, Himmelfahrt und Krönung der Jungfrau Maria. Es handelt sich hierbei um das einzige Werk dieser Art, das ohne Unterbrechung bis zum heutigen Tag aufgeführt wird. Auβerdem ist das Werk „La Celestina“ von Fernando de Rojas hervorzuheben, das nach Einschätzung der Experten, vom 21. Mai bis zum 21. Juni 1499 aufgeführt wurde.

Im Mittelalter trat im Vergleich zur Vergangenheit eine totale Wende ein. Das Theater existierte nicht mehr in seiner architektonischen Form. Die gröβten ambulanten Gesellschaften beendeten ihre Aufführungen auf den groβen Plätzen und begannen ihre Aufführungen in die Innenhöfe der Häuser oder Gasthäuser zu verlegen, in geschlossene Örtlichkeiten, wo man den Eintritt einfacher einnehmen konnte. Erst dann im Goldenen Zeitalter wurde wieder mit dem Bau der ersten Gebäude für Theateraufführungen begonnen, wobei man diese Innenhöfe in der baulichen Anordnung mit aufnahm. Dies ist auch der Fall des Komödientheaters (Corral de Comedias) in Almagro.

Escenario del Teatro MunicipalNach dem Bezahlen des Eintritts setzte sich das Publikum in die Balkons, Fenster und Ränge, die auf allen drei Seiten, die den Raum umschlossen, vorzufinden waren. Im Hof unten sammeln sich die Männer an. Die Frauen des Volkes sitzen im hohen Laufgang, gegenüber der Bühne, in der „Cazuela“. Auf der Bühne, die sich im Hintergrund des Hofes befindet, sieht man fast keine Dekoration, aber die Worte der Komiker versetzen die Zuschauer an den Ort des Geschehens. Die Innenhöfe füllen sich bei den Werken der groβen Dramaturgen des besagten Goldenen Zeitalters: u.a. Miguel de Cervantes, Lope de Vega, Tirso de Molina, Calderón de la Barca. Aus verschiedensten Gründen werden dann diese Komödieninnenhöfe nicht mehr genutzt und man beginnt mit dem Errichten der heutigen Theater, die als „Theater nach italienischem Vorbild“ genannt wurden, in denen neben den Theateraufführungen auch Musikaufführungen (wie die Oper, Zarzuela, frivole Rollenspiele…) und Tanz,  stattfanden. Das „Teatro Municipal“ (Gemeindetheater) in Almagro wurde im Jahr 1863 vom Architekten der Provinz Cirilo Vara errichtet.

Im XVIII. Jh. wird der reformistische Enthusiasmus der Aufklärer auch ins Theater übertragen, wo man die Natürlichkeit der Szenen suchte und die vom besten Dramaturgen des Jahrhunderts, Leandro Fernández de Moratín in Spanien umgesetzt wurde. Im Sinne dieser Bestrebungen schrieb Moratín u.a. folgende Werke: „El sí de las niñas” (Das Jawort der Mädchen), „La comedia nueva o el café“ (Das neue Lustspiel oder Das Kaffee), usw.  Die Werke, die den meisten Applaus des Publikums ernteten, gehörten zu den Genres der magischen Komödie, der heroischen Komödie, der sentimentalen Komödie und des Schwanks, dessen bedeutendster Vertreter Ramón de la Cruz war, der, getragen von dem Bestreben nach einer sittlichen Gesellschaft, dieses Genre wählte, um die bestehenden Haltungen und Süchte vom Theater aus zu ändern. Der grösste Teil seiner Werke gehörte deutlich zu den Sittenstücken, die etwas oberflächlich waren, trotz einer technischen Perfektion des dramatischen Aufbaus.

Das XIX. Jh. ist das Jahrhundert des romantischen Theaters, das den Menschen die Welt und die Geschichte darstellen wollte, wobei man hauptsächlich mit der Tragödie und dem Melodrama arbeitete. Das beste Sinnbild des romantischen Theaters ist die Oper, die sich vor allem in diesem Jahrhundert entwickelte. Aber in Spanien hatte nicht die Oper, sondern die Zarzuela als musikalisches Genre Erfolg. Es handelt sich hierbei um ein Theaterstück komplizierter Intrigen, Geister, verzauberter Wälder, groβer Ruinen, Giftmischungen, hellen Mondscheins und natürlich der Liebe und Tod. Neue technische Erfindungen werden bekannt: das Gas, Elektrizität, Projektoren, Dampfmaschinen, Hubmaschinen, Drehbühnen, usw., die in die Melodramen mit aufgenommen werden. Die Theater wetteiferten nunmehr um die sensationellsten Bühneneffekte ihrer Vorstellungen. Die Dekorateure und Bühnenarbeiter werden zu den wirklichen Stars der Werke. Das heiβt, das Überwiegen visueller Effekte zum Nachteil der theatralischen Handlung. Das romantische Theater in Spanien hatte sein Vorbild im französischen Theater und die spanischen romantischen Dramaturgen produzierten ein Werk, das ein französisches imitierte. Zwei Beispiele dieses Theatergenres sind Don Álvaro o la fuerza del sino von Duque de Rivas oder Don Juan Tenorio von Zorrilla.

Zu Beginn des XX. Jh., bieten die Gesellschaften konventionelles und konservatives Theater, um dem Publikum zu entsprechen. Bis zum Jahr 1936 konnte man drei sehr populären Genres theatralischen Erfolg nachsagen: Der Sittenkomödie (Jacinto Benavente), dem Madrider (Carlos Arniches) oder andalusischen Schwank (Los Hermanos Álvarez Quintero) und dem schrägen Humor (Pedro Muñoz Seca). Die Zarzuela flüchtet in die freundliche und versüβte Realitätssicht; der Sentimentalismus bemächtigt sich der Themen und schlägt jedesmal mehr Wurzeln in Sprachreinheit und Regionalismus.

Representación teatralAutoren und Direktoren, die sich kommerzielle Ziele steckten, suchten andere Formen auβerhalb der groβen Theater, um ihre Werke in Szene zu setzen. Aus dem Madrider Theater Eslava, läutete Gregorio Martínez Sierra, Autor und Regisseur, eine künstlerische Reform der Theateraufführungen ein, wobei er mit den besten Schriftstellern (Marquina, Ibsen, Dumas, Molière, Zorrilla,...), Bühnenbildnern und Dekorationsmalern (Fontanals, Barradas, Zamora, Burman, Vilumara, Ontañon, Penagos,....), Musikern (Falla, Turina, Luna, ...) und mit Catalina Bárcena, als seine Starschauspielerin seiner „Compañía Cómico Dramática“ rechnen konnte. Bei diesen Theater-Macharten, die von führenden Avantgardisten unterstützt wurden, zeichnet sich die Arbeit des Universitätstheaters oder Theatergruppen der Stücke wie „La Barraca" von Federico García Lorca, „El Caracol", von Valle-Inclán oder „El Mirlo Blanco" von Baroja, aus. Auf diese Weise versucht man dem Repertoire-Theater entgegenzuwirken, das Echegaray und seine Anhänger füllen, den Zarzuela-Revues, Varietévorführungen und anderen als äusserst niedrig eingestuften Spektakeln, leichten sittenbezogenen Lustspielen mit oberflächlichen Dialogen, die neben der Würde des Theaters eines Benavente oder Pérez Galdós existieren.

Eine weitere wichtige Gattung des spanischen Musiktheaters war das „genero chico” (Stundentheater), das durch die Einfachheit seiner Argumente, seine kurze Dauer und geringen Transzendenz seines Inhalts gekennzeichnet war, auch wenn hier  Meisterwerke wie La verbena de la paloma, La revoltosa und El dúo de la africana entstanden sind.

1911 wurde das Trianon Palace in Madrid eröffnet, was man als den Zeitpunkt des Beginns des Couplets, und noch allgemeiner, des frivolen Genres, ansehen kann. Der Text der Lieder ist durch einen pikanten Ton gekennzeichnet und wenn er nicht offen unanständig war, wurde er durch entsprechende Bewegungen seiner Darsteller begleitet, die oft in gewagter Kleidung erschienen. Text, Musik, wiegender Gang und anstöβiges „Outfit“, riefen das Vergnügen und die Passion des anwesenden Publikums hervor. Madrid wurde vom und für das Couplet erobert.

Vor 1936 war das Theater eine echte „nationale Sucht”, was viele Lokale und Uraufführungen von Werken bekannter Autoren und eine groβe Popularität der Schauspieler und Schauspielerinnen mit sich brachte. Nach dem Ende des Bürgerkrieges und nach einer erneuten Belebung der theatralischen Aktivitäten, schlossen sich dem Theater viele schöpferisch Tätige an: Autoren, Direktoren, Schauspieler, Bühnenbildner, Kostümbildner, Techniker, usw., die die Realität unserer Bühne veränderten und zu ihrer Modernisierung beitrugen.

Im Jahr 1952 rief das Ministerium für Information und Tourismus die Festivals Spaniens ins Leben, wobei man von den Festivals in Santander und Granada ausging. Dabei verfolgte man das Ziel, die unterschiedlichen Theatergenres, Zarzuela, Oper und Tanz wenigstens einmal im Jahr überall in Spanien vorzustellen. Zu diesem Zweck wurden ganz besondere Plätze genutzt: Fassaden von Kathedralen, historische Gärten, Schlösser, usw., wodurch man nicht nur feierliche Räume zurückgewann sondern auch Texte darbot, die aus dem Goldenen Zeitalter unserer Literatur stammten. Neben anderen Direktoren und Unternehmern, war José Tamayo ein ganz besonderer Vertreter dieser Aufführungen.

Quelle: Museo Nacional de Teatro (Nationales Theatermuseum)

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